Ernst Michael Dittmar

 

* 22. August 1918
† 27. August 1949

Ernst Michael Dittmar, Sohn eines evangelischen Pfarrers, in Dinslaken geboren, musste im November 1933 in die Hitlerjugend eintreten, da er sonst nicht auf der höheren Schule verbleiben konnte. Er wurde im Dezember 1938 aus der Hitlerjugend verstoßen "wegen der Beeinflussung von Jugendlichen im Sinne marxistischer-konfessioneller Anschauungen". Im September war er als gerade 20jähriger für 3 Wochen in Haft. Er befasste sich vor seiner Dienstverpflichtung in der Wehrmacht während seines Volkswirtschaftsstudiums mit Jugendpsychologie, Jugendrecht und Pädagogik, war Mitarbeiter in der Erziehungsberatung des Leipziger Jugendpsychologen Prof. Dr. Walter Hoffmann und arbeitete kurzfristig beim Jugendgericht Leipzig und später bei der Berufsberatung in Hamburg.

Im Frühjahr 1943 war er aus der evangelischen Landeskirche ausgetreten und befasste sich mit dem Gedanken des Eintritts in eine kath. Ordensgemeinschaft. Seine innere Beziehung zum Katholizismus rührte nach seinen Angaben aus dem Ausschlussurteil der HJ im Jahr 1938. Aber erst nach dem Kriege konnte er zum katholischen Glauben konvertieren.

Am 01.01.1946 erhielt er auf Fürsprache des Landgerichtsdirektors Dr. Ludwig Clostermann (Heimstatt-Mitbegründer) eine Anstellung als Sachbearbeiter beim Stadtjugendamt Bonn. Trotz gesundheitlicher Probleme wurde er relativ schnell zum Stadtjugendfürsorger beim Jugendamt ernannt.

Gemeinsam mit Kaplan Hermann-Josef Hieronymi, seinerzeit an St. Sebastian in Bonn-Poppelsdorf und erster Jugendringvorsitzender nach dem Kriege und mit Dr. Clostermann gründete er die Heimstatt e.V. Bonn. Man gewann den Studenten Alfred Thauer als ersten Heimleiter gemeinsam mit Studenten der Kath. Studentengemeinde als ehrenamtliche Helfer. Unter ihnen war auch seinerzeit bereits der heutige Vorsitzende der Heimstatt e.V. Bonn, Dr. Otto Emrich sowie das einzige überlebende Gründungsmitglied Josef Kempen, heute wohnhaft in Bad Honnef.

1948 kam es zum Austritt von Ernst Michael Dittmar aus dem Trägerverein wegen sachlicher Differenzen mit dem Vorstand. Der Idee der Bonner Heimstatt blieb er aber verbunden.

Im Jahr 1949 erfasste ihn eine todbringende Krankheit die zunächst zur Amputation des rechten Beines führte. Hinzu kamen eine Rippenfellentzündung und schließlich die Gewissheit, dass die Krebserkrankung sich als unheilbar erwies. Am 27.08.1949 verstarb Ernst Michael Dittmar nachdem er sich mit seiner ganzen Persönlichkeit und mit äußerster Hingabe für die heimat- und berufslosen Nachkriegsjugend eingesetzt hatte.

Sein beeindruckender Abschiedsbrief zeugt trotz allen Leidens von seiner unerschütterlichen Hingabe für seine katholische Glaubensüberzeugung, verbunden mit der Gewissheit, dass seinem irdischen Dasein die Heimkehr zum ewigen Vater folgte.

Für die Idee der Heimstatt appelliert er an die Verantwortlichen, die Türen offen zu halten für die Gestrauchelten, für die jugendlichen Randgruppen und sich insbesondere der verwahrlosten jungen Menschen anzunehmen. Den Mitarbeitern rät er das Wagnis aufzunehmen, das Experimentieren für ein uneingeschränktes Engagement nicht aufzugeben, sich selbst immer wieder in Frage zu stellen, Weiterbildung anzunehmen und in die Gesellschaft einzuwirken. "Die Heimstatt muss jung bleiben, wird sie alt, habt den Mut sie abzuhauen und nochmals anzufangen." Er plädiert entschieden für ein menschengerechtes Handeln gegenüber den Jugendlichen auch von Seiten der städtischen Wohlfahrtspfleger. Die Verantwortung gegenüber dem Stadthaushalt sieht er als städtischer Bediensteter durchaus nachrangig gegenüber der Verantwortung zum Menschen.

"Zeigt Ihnen (den Verantwortlichen der Stadt), dass sie den Ast absägen, auf den sie sich einmal setzen wollen, dass, wenn die Jugend verdirbt, niemand da ist, der ihnen Pensionen zahlt... Hilft das alles nichts - holt Euch die Öffentlichkeit zu Hilfe."

Für Dittmar steht die freie Wohlfahrtspflege zuerst.

In einem unveröffentlicht gebliebenen Nachruf schreibt Stadtdirektor Dani von der Stadt Bonn:

"Am 27.08.1949 verschied nach langem, schwerem, mit vorbildlicher Geduld ertragenem Leiden Herr Ernst Michael Dittmar, Jugendfürsorger beim Stadtjugendamt Bonn.

Der Verstorbene setzte in der schwierigen Nachkriegszeit seine ganze Schaffenskraft mit großem Idealismus für die heimatlose Jugend ein. Er rastete nicht, bis er eine 'Heimstat' für sie gefunden hatte. Durch sein stets vornehmes, selbstloses Wirken gehört er zu den wenigen Männern, die in unseren Augen wachsen, je ferner Sie uns rücken. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren."

Namens der Beamten und Angestellten des Stadtjugendamtes Bonn

Dani, Stadtdirektor

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